Was es für Apotheken bedeutetDas E-Rezept

Illustration: Frau bedient Körpergroßen Smartphone

Die Zukunft der Apotheke ist digital. Ein wichtiger Impuls ist das e-Rezept, das den rosafarbenen Papierschein ablösen soll. Wir verraten, wie die digitale Verordnung funktioniert, welche Anforderungen erfüllt sein müssen und was sie für Apotheken bedeutet.

Minimale Übertragungsfehler, eine sichere ¬Medikamentenabgabe und weniger Wege für Patienten – das sind nur einige der Vorteile, die das elektronische Rezept bieten soll. Und da allein in Deutschland jährlich ca. 450 Millionen Rezepte ausgestellt werden, wäre auch mit der Zettelwirtschaft endlich Schluss.



Was ist ein e-Rezept?


Das elektronische Rezept (kurz e-Rezept) ist das digitale Pendant zur klassischen Verschreibung von Arznei- und Heilmitteln. Nur statt wie üblich den rosa Zettel zu erhalten, wird dem Empfänger ein digitales Rezept per E-Mail, SMS oder eine speziell entwickelte App übermittelt. Einlösen kann er es dann, wo er will – in einer Online-Apotheke oder in der Apotheke seines Vertrauens vor Ort.

Die rechtliche Grundlage für das e-Rezept ist das „Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung“, das bereits am 16. August 2019 in Kraft getreten ist. Der nächste Meilenstein ist der 30. Juni 2020, an dem die technische Basis der zur Übertragung notwendigen Telematikinfrastruktur (TI) festgelegt sein soll.

Spätestens zum 1. Januar 2022 wird das e-Rezept dann für alle Apotheken verpflichtend sein. Es bleibt also noch genug Zeit, den flächendeckenden Anschluss an die TI zu vollziehen. Ohnehin brauchen Apotheken das e-Rezept nur einzulösen – ausgestellt wird es weiterhin vom Arzt, während der Patient es digital nutzen und transportieren kann.



Wie wird das elektronische Rezept ausgestellt?


Ein einheitlicher Standard existiert für das elektronische Rezept noch nicht. Um die Einführung zu testen, laufen allerdings verschiedene Modellprojekte. Und so haben sich die folgenden Schritte bereits als wegweisend herauskristallisiert:

1. Der Arzt stellt das elektronische Rezept aus und überträgt es verschlüsselt an einen zentralen Server.

2. Gleichzeitig erhält der Patient die für die Einlösung und Verwaltung nötigen Schlüsselinformationen – zum Beispiel in Form eines optischen Übertragungsverfahrens wie einen QR-Code.

3. Nun kann der Patient diese Schlüsselinformationen an eine Apotheke seines Vertrauens übergeben, indem er sie direkt versendet, eine App nutzt oder den QR-Code persönlich in einer Apotheke vorzeigt.

4. Auf dieser Basis holt sich die Apotheke die auf dem zentralen Server gespeicherten Daten ab, die Verordnung wird entschlüsselt und der Patient erhält sein verschriebenes Medikament.

Praktisch dabei: Es wird gleich ein Abrechnungsdatensatz gebildet, der an ein Apotheken-Rechenzentrum und von dort zur Krankenkasse geleitet wird. Weiterer Vorteil: Bereits vorhandene Daten lassen sich für Folgerezepte, Medikamentationspläne und weitere kommende digitale Anwendungen nutzen.

E-Rezept auf Smartphone in Händen

Was sind die Voraussetzungen für das e-Rezept?


Technisch setzt das e-Rezept voraus, dass alle Apotheken flächendeckend an die Telematikinfrastruktur angeschlossen sind: Über diese digitale Autobahn sollen alle Daten sicher und verschlüsselt von der Arztpraxis zum Patienten, in die Apotheke und zu den Krankenversicherungen gelangen. Langfristig soll die TI alle Beteiligten für den sicheren Datenaustausch vernetzen und die Digitalisierung des Gesundheitswesens noch weiter vorantreiben. Stichwort: Connected Health.

Zum Großteil befürwortet die deutsche Apothekerschaft das e-Rezept. Im Namen der Spitzenorganisation ABDA (Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V.) hat sie jüngst noch einige Forderungen gestellt, die für die Einführung wesentlich sind. Im Zentrum stehen das Vertrauen und die Akzeptanz der Versicherten.

Zentrale Forderungen für das e-Rezept:

1. Der Versicherte muss ohne Beteiligung Dritter seine e-Rezepte einsehen können.

2. Er muss seine e-Rezepte einfach verwalten, transportieren und gegebenenfalls eigenhändig vernichten können.

3. Es muss jedem Versicherten möglich sein, eine unverbindliche und anonyme Verfügbarkeitsanfrage in einer Apotheke seiner Wahl zu platzieren.

4. Das e-Rezept muss sich persönlich oder digital in jeder Apotheke seiner Wahl einlösen lassen, ohne dass dem Versicherten im Vergleich zur analogen Vergangenheit Nachteile entstehen.

5. Das e-Rezept darf kein Handelsobjekt werden, weshalb das Makeln damit verboten sein muss.

6. Die Übertragung und Speicherung der Daten muss über einen sicheren Kanal und bei vollständiger Einhaltung geltender datenschutzrechtlicher Anforderungen nach der DSGVO erfolgen.

Die große Herausforderung besteht also darin, das Handling des e-Rezepts so einfach wie nur möglich zu gestalten: Alle Patienten müssen dem System vertrauen, es verstehen und einfach anwenden können.



Und was sind die Vorteile des Online-Rezepts?


Der vollständige Verzicht auf Papier zählt wohl zu den größten Vorteilen des Online-Rezepts. Durch den digitalen Prozess entstehen weniger Übertragungsfehler, während die Verlässlichkeit steigt. Handschriftlich geschriebene, schlecht lesbare und falsch interpretierte Rezepte sind damit wohl Schnee von gestern. Auch der ABDA begrüßt „das Bestreben der Bundesregierung, die Chancen der Digitalisierung im Gesundheitswesen für die Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung zu nutzen“.

Und gerade die soll mit dem e-Rezept mehr Komfort genießen: Über eine App auf dem Smartphone einfach die Wunschapotheke aussuchen und das Rezept zuweisen. Ist das Arzneimittel gerade nicht verfügbar, wird es einfach bestellt. Liegt das Medikament dann bereit, kann es persönlich abgeholt oder auch nach Hause geliefert werden. So wird das e-Rezept gerade mobil eingeschränkten Menschen vor allem eines ersparen: unnötige Wege.



E-Commerce-Riese oder kleine Apotheke: wer profitiert mehr?


Wenn Patienten ihre Arzneimittel via e-Rezept noch unmittelbarer und zeitsparender bestellen können, profitiert auch der Onlineversandhandel von einem Attraktivitätsplus: Es müssen überhaupt keine Papierbelege mehr versendet und archiviert werden, so dass auch die Portokosten entfallen. Aber auch kleine Apotheken profitieren, wenn sie ihre Kunden frühzeitig auf das e-Rezept vorbereiten und über die neuen Möglichkeiten aufklären. Richtig umgesetzt macht die digitale Verordnung alles für alle nur einfacher.

Und die Angst, dass dann endgültig alle Rezepte bei den großen e-Commerce-Apotheken landen, ist ohnehin unbegründet. Denn eines wird trotz der unaufhaltbaren Digitalisierung der Apothekenlandschaft wohl weiter selbstverständlich bleiben: die kompetente, freundliche und persönliche Beratung vor Ort.